Leroy Sané bleibt trotz WM-Quali-Heldenrolle der umstrittenste Nationalspieler Deutschlands
Carmine WeißLeroy Sané bleibt trotz WM-Quali-Heldenrolle der umstrittenste Nationalspieler Deutschlands
Leroy Sanés Rolle in der deutschen Nationalmannschaft sorgt seit seinem Wechsel zu Galatasaray im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Trotz seiner Leistungen auf dem Platz hält die Kritik am Flügelstürmer unvermindert an – und fällt ungewöhnlich hart aus.
Die Skepsis gegenüber Sané ist unerbittlich. Selbst nach dem 7:1-Sieg Deutschlands gegen Curaçao stellten einige Fans und Experten seine Leistung infrage. Sein Wechsel in die türkische Liga in der letzten Saison goss zusätzlich Öl ins Feuer: Kritiker warfen ihm vor, damit das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere eingeläutet und finanzielle Interessen über WM-Ambitionen gestellt zu haben.
Sanés erste Saison bei Galatasaray tat wenig, um die Zweifler zu besänftigen. Er war kein Stammspieler und erzielte in 43 Einsätzen nur sieben Tore – was die Kritik weiter anheizte. Dennoch war sein Einfluss auf die Nationalelf zuweilen unbestritten. Im vergangenen November spielte er eine Schlüsselrolle bei der WM-Qualifikation Deutschlands: Mit zwei Toren und einer Vorlage in der entscheidenden Partie gegen die Slowakei sicherte er den Sieg. Selbst sein Siegtreffer im Testspiel gegen die USA konnte die öffentliche Meinung nicht nachhaltig ändern.
Dass Sané zum Sündenbock für die Probleme der deutschen Mannschaft stilisiert wird, hat auch bei Teamkollegen und Ex-Spielern für Gesprächsstoff gesorgt. Kapitän Joshua Kimmich und Bundestrainer Julian Nagelsmann verteidigten ihn öffentlich und betonten seine Laufbereitschaft sowie defensive Stärken. Ehemaliger Nationalmannschaftskapitän İlkay Gündoğan ergänzte, dass ständige Kritik und die Erwartungshaltung, er werde Fehler machen, einen kreativen Spieler wie Sané einengen könnten. Unterdessen wurde Nadiem Amiri bei einer jüngsten Pressekonferenz nicht ein einziges Mal zu seinem direkten Konkurrenten Jamal Musiala befragt – obwohl dieser als „Zehn“ eine mögliche Alternative im Mittelfeld bieten würde.
Trotz seiner Verdienste für die Mannschaft bleibt Sané im Fokus der Kritik. Seine Verteidiger argumentieren, dass die unablässige Konzentration auf seine Schwächen sein Selbstvertrauen und seine Kreativität untergraben könnte. Die Debatte um seinen Platz im Kader ebbt nicht ab – im Gegenteil.
