Zwei Statuen, zwei Geschichten: Wie Denkmäler Erinnerung und Streit prägen
Hilma PergandeZwei Statuen, zwei Geschichten: Wie Denkmäler Erinnerung und Streit prägen
Zwei Statuen, die Jahre auseinander und tausende Kilometer voneinander entfernt errichtet wurden, stehen heute als Symbole gegensätzlicher historischer Erzählungen. 2018 enthüllte ein ruhiges Dorf in Brandenburg ein Denkmal aus Cortenstahl für Jutta Baumwol, ein Holocaust-Opfer, das in Auschwitz ermordet wurde. Unterdessen wurde in Washington D.C. auf Initiative von Präsident Donald Trump eine Statue von Christoph Kolumbus aufgestellt – der Entdecker wurde dabei als "ursprünglicher amerikanischer Held" neu interpretiert.
Das Brandenburger Denkmal entstand am Rande einer Landstraße und markiert den Ort, an dem Jutta Baumwol und andere in den 1940er-Jahren auf dem Gut Neuendorf im Sande zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Gefertigt aus verwittertem Stahl und auf einem ameisenbedeckten Baumstumpf platziert, dient es als Ort des Gedenkens. Besucher versammeln sich hier am Holocaust-Gedenktag und zum Jahrestag der Befreiung des Lagers. Das 2018 fertiggestellte Projekt war das Ergebnis jahrelanger Bemühungen von Baumwols Bruder, der Dorfgemeinschaft und lokalen Politikern. In diesem Jahr wäre sie 101 Jahre alt geworden.
Auf der anderen Seite des Atlantiks fand die Kolumbus-Statue ihren Platz an der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building. Die Regierung unter Trump positionierte sie als Gegenentwurf zur wachsenden Kritik an der kolonialen Vergangenheit Amerikas. Italienischstämmige Amerikaner unterstützten die Aufstellung und feierten Kolumbus als Heldenfigur. Die beiden Denkmäler könnten unterschiedlicher nicht sein: Das eine ehrt ein Opfer von Unterdrückung, das andere verteidigt eine umstrittene Symbolfigur der Eroberung.
Gelegentlich halten Radfahrer oder Geocaching-Enthusiasten am Brandenburger Denkmal inne. Die Kolumbus-Statue in Washington hingegen bleibt ein zentraler Streitpunkt in den anhaltenden Debatten über historische Erinnerung und nationale Identität.
Während das Denkmal in Brandenburg dafür sorgt, dass Jutta Baumwols Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, zementiert die Kolumbus-Statue eine spaltende Geschichtsdeutung. Beide stehen als greifbare Mahnmale dafür, wie Nationen – und Gemeinschaften – ihre Vergangenheit erinnern oder umdeuten.






