Warum politische Schimpfwörter in Deutschland bald teurer werden könnten
Carmine WeißWarum politische Schimpfwörter in Deutschland bald teurer werden könnten
In Deutschland kann es teuer werden, jemanden als Tier oder Obst zu beschimpfen – doch nicht alle Beleidigungen sind gleich riskant. Roger "Flaming" Reisertsch, Autor und Aktivist, rät stattdessen zu Schimpfwörtern mit Bezug auf Politiker. Sein Buch und seine Website haben sogar 1.024 neue Kraftausdrücke auf Basis realer politischer Persönlichkeiten generiert.
Nach deutschem Recht werden bestimmte Beleidigungen härter bestraft als andere. Wer jemanden als "Pflaume" bezeichnet, riskiert als eine der wenigen obst- oder gemüsebezogenen Schimpfwörter ein Bußgeld. Tiernamen gelten hingegen fast immer als kränkend und können zu Beleidigungsklagen oder sogar Klagen von Tierschutzorganisationen wie PETA führen.
Auch politische Zuordnungen können teuer werden. Wer jemanden als SPD-Anhänger bezeichnet, muss mit bis zu 2.500 Euro Strafe rechnen. Ein hochrangiges AfD-Mitglied als "Nazischlampe" zu bezeichnen – oder selbst die Abkürzung "NS" zu verwenden – hat bereits zu Bußgeldern von 1.200 Euro geführt. Varianten wie "Schlampennazi" werden genauso streng geahndet.
Reisertschs Lösung: Traditionelle Schimpfwörter durch Politkernamen ersetzen. Sein KI-gestütztes Buch und die Website gibmirkeinetiernamen.de kreieren neue Beleidigungen, indem sie Namen von Politikern kombinieren oder abwandeln. Seine These: Solche Kraftausdrücke seien derzeit juristisch sicherer als tier- oder obstbasierte Beschimpfungen. Doch er warnt, dass auch diese Taktik in den kommenden Jahren verboten werden könnte.
Interessanterweise bleiben manche politischen Beleidigungen noch ohne Folgen. Wer jemanden als "Du Orban!" oder "Du blöder Trump!" beschimpft, muss derzeit keine rechtlichen Konsequenzen fürchten.
Reisertschs Ansatz bietet vorerst eine Umgehungsmöglichkeit, um Bußgelder und Klagen zu vermeiden. Doch da sich die Gesetze weiterentwickeln, könnten selbst politikerbezogene Schimpfwörter bald eingeschränkt werden. Seine KI-generierte Liste bietet zwar eine wachsende Sammlung an Alternativen – doch wie lange sie rechtlich unbedenklich bleiben, ist ungewiss.






