06 April 2026, 20:10

Pharma-Branche warnt vor Abhängigkeit von China bei lebenswichtigen Medikamenten

Plakat mit Text über Preisunterschiede von Big Pharma, begleitet von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Pharma-Branche warnt vor Abhängigkeit von China bei lebenswichtigen Medikamenten

Führende Vertreter aus der deutschen Pharmaindustrie und dem Krankenversicherungssektor trafen sich auf der Konferenz des Handelsblatts, um über die Arzneimittelversorgungsketten in Europa zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Debatte stand die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischer Produktion – insbesondere aus China – sowie die Stärkung der heimischen Resilienz.

Thomas Weigold, Chef von Sandoz/Hexal in Deutschland, äußerte Bedenken hinsichtlich der starken Abhängigkeit des Landes von China bei Antibiotika und Generika. Er forderte, dass lebenswichtige Medikamente als Teil der deutschen Sicherheitsarchitektur betrachtet werden sollten – und nicht bloß als Handelswaren. Kritik übte er auch an der "Handel-zuerst"-Strategie der EU, die seiner Meinung nach die Fähigkeit Europas untergräbt, die Versorgung mit essenziellen Generika zu sichern.

Tim Steimle, Pharmachef der Techniker Krankenkasse, berichtete, dass Deutschland sein Ziel erreicht habe, für 47 Prozent der Lieferkette Vorräte in Höhe von sechs Monatsbedarfen anzulegen. Gleichzeitig warnte er, dass strengere Lagerbestimmungen Handelskonflikte und Vergeltungsmaßnahmen wichtiger Lieferländer auslösen könnten. Positiv hob er hervor, dass Rabattverträge zunehmend in umfassendere Versorgungsvereinbarungen überführt worden seien, und lobte das geplante Freihandelsabkommen mit Indien als Schritt zu mehr Sicherheit.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), lehnte die Vorratshaltung für Generika-Hersteller als unpraktikabel ab. Stattdessen betonte er, dass Gesundheitspolitik als Sicherheitsfrage zu behandeln sei, und warnte davor, die Fehler der Halbleiterkrise zu wiederholen. Er forderte mehr Investitionen in heimische Forschung und Produktion, um künftige Engpässe zu vermeiden.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, kritisierte die Annahme, dass Beschaffung, Lagerung und Apotheken-Lieferketten ohne Steuerung reibungslos funktionieren würden. Die sechsmonatige Reserve bezeichnete er als unzureichend und plädierte für eine klarere Planung auf Basis realistischer Krisenszenarien. Zudem sprach er sich für eine Ausweitung der europäischen Produktion aus, um externe Abhängigkeiten zu verringern.

Die Diskussionen zeigten tiefe Sorgen über die europäische Abhängigkeit von Arzneimittelimporten – vor allem aus China. Zwar gibt es Fortschritte bei der Bevorratung, doch die Branchenvertreter betonten die Notwendigkeit langfristiger Investitionen in die Produktion sowie einer klareren Krisenvorsorge. Das geplante Handelsabkommen mit Indien gilt als ein Baustein für mehr Sicherheit, doch umfassendere Reformen bleiben umstritten.

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