Neue deutsche Kulturschätze sorgen für Debatten und Kritik an der Auswahl
Carmine WeißNeue deutsche Kulturschätze sorgen für Debatten und Kritik an der Auswahl
Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den neuesten Ergänzungen zählen Schaustellerkultur, die handwerkliche Herrenschneiderei sowie die Fischerei in der Ostsee. Die Auswahl löste jedoch eine Debatte aus – einige fragen sich, warum bestimmte Bräuche keine Berücksichtigung fanden.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gab die Entscheidungen gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt. Besonders in SPD-geführten Bundesländern stößt die Auswahl auf Kritik von Politikerinnen und Politikern.
Unter den neu anerkannten Traditionen befindet sich das handwerkliche Können der Herrenschneiderei. Diese jahrhundertealte Fertigkeit gesellt sich zur Schaustellerkultur, die einst durch eine skurrile Anzeige mit der Aufschrift "Junger Mann für Reisen gesucht" symbolisiert wurde. Weitere Neuzugänge sind die Ostseefischerei, das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz sowie die St.-Martins-Umzüge im Rheinland.
Auffällig abwesend auf der Liste sind dagegen der Döner Kebab, unabhängige linksalternative Buchhandlungen und selbst die traditionelle Bratwurst vom SPD-Sommerfest. Diese Auslassungen sorgten für Unmut – vor allem bei Kulturministerinnen, Kulturministern und Senatoren in acht SPD-regierten Ländern.
Weimers Ansatz bei der kulturellen Anerkennung ist nicht neu: Bereits zuvor hatte er ein Übersetzungsprojekt palästinensischer Autorinnen und Autoren aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds gestrichen. Die aktuelle Auswahl unterstreicht seine konsequente Haltung, was staatliche Anerkennung verdient.
Auch international gibt die Würdigung der deutschen Herrenschneiderei als herausragende Tradition Anlass zur Diskussion. Einige fragen, ob ähnliche Handwerkskünste im Ausland nicht gleichermaßen Beachtung finden sollten.
Die aktualisierte Liste umfasst nun 139 immaterielle Kulturschätze in Deutschland. Während die Neuaufnahmen besondere Facetten des nationalen Erbes betonen, führen die Auslassungen zu Protesten und einer breiteren Debatte. Der Streit zeigt, wie umstritten und aufmerksam begleitet der Prozess der kulturellen Anerkennung bleibt.






