Kratzers provokante Inszenierung an der Hamburger Staatsoper spaltet das Publikum
Esther SchülerKratzers provokante Inszenierung an der Hamburger Staatsoper spaltet das Publikum
Kratzers "Das Paradies und die Peri" an der Hamburger Staatsoper polarisiert
Die neue Inszenierung von Das Paradies und die Peri an der Hamburger Staatsoper hat für heftige Reaktionen gesorgt. Unter der Regie von Tobias Kratzer verbindet das Oratorium ein orientalisches Märchen mit mutigen modernen Themen. Zwar äußerten einige Zuschauer Unmut, doch am Ende der Premiere erntete das kreative Team überwältigenden Applaus.
Robert Schumanns Oratorium, inspiriert von Thomas Moores Lalla Rookh, erzählt von Peri, einem engelhaften Wesen, das auf der Suche nach einem Geschenk ist, um ins Paradies zu gelangen. Kratzer und Bühnenbildner Rainer Sellmaier haben das Werk neu interpretiert und mit drängenden Gegenwartsfragen verknüpft. Im dritten Akt wird die Handlung explizit mit der Klimakrise verknüpft, eine andere Szene zeigt einen schwarzen Mann, der sich einem Anführer widersetzen will – und schließlich von einem Mob getötet wird.
Kratzers Inszenierung bricht mit theaterüblichen Konventionen. So steigt die Sängerin Vera-Lotte Boecker, die die Peri verkörpert, an einer Stelle ins Parkett hinab und setzt sich neben eine weinende Zuschauerin. Der Regisseur durchbricht zudem die vierte Wand und zieht das Publikum direkt ins Bühnengeschehen hinein. Diese künstlerischen Entscheidungen lösten gemischte Reaktionen aus: Ein Gast rief empört "Buh!" und verließ den Saal, doch die Mehrheit feierte am Schluss begeistert.
Die Produktion unterstreicht Kratzers Bestreben, die Hamburger Staatsoper einem breiteren Publikum der Stadt zugänglicher zu machen. Sein Ansatz, Tradition mit provokanten zeitgenössischen Elementen zu verbinden, setzt bereits jetzt Akzente für die Spielzeit 2025/26.
Die Premiere zeigte eine Inszenierung, die herausfordert und fesselt. Trotz vereinzelter Buhrufe signalisierte die überwältigende Zustimmung des Publikums am Ende Zustimmung für Kratzers visionären Ansatz. Die Verbindung von Alt und Neu macht das Oratorium zu einem viel diskutierten Thema in Hamburgs Kulturszene.






