Humboldt Forum: Fünf Jahre zwischen kolonialer Last und kultureller Zukunft
Tilly HörleHumboldt Forum: Fünf Jahre zwischen kolonialer Last und kultureller Zukunft
Das Humboldt Forum in Berlin – ein kulturelles Prestigeprojekt mit ungelösten Widersprüchen
Vor fünf Jahren eröffnete das Humboldt Forum in Berlin als ambitioniertes Kulturprojekt. Unter seiner markanten Kuppel mit Kreuz beherbergt es das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Doch von Anfang an sah es sich mit Kritik konfrontiert – wegen seiner kolonialen Verstrickungen und der Schwierigkeit, bei den Berlinerinnen und Berlinern Anklang zu finden.
Finanziell getragen von vermögenden, konservativen Spendern, sollte das Forum preußischen Glanz ins Herz der Hauptstadt zurückbringen. Schon der Bau löste Debatten über geraubte Kulturgüter, Restitution und koloniale Gewalt aus – Themen, die bis heute aktuell sind und sogar im eigenen Programm des Forums aufgegriffen werden, etwa in Veranstaltungen zu globaler Ungerechtigkeit und demokratischem Niedergang.
Trotz der Relevanz dieser Angebote bleibt das Publikum überwiegend touristisch geprägt. Ein Beispiel für die mutigen Formate des Forums ist Sarah Ama Duahs Performance to build to bury to remember, die Objekte als lebendige Wesen inszeniert, um koloniale Perspektiven herauszufordern. Doch viele Berliner empfinden das Forum nach wie vor als abweisenden Palast statt als lebendigen Ort für die Stadtgesellschaft.
Auch die Architektur selbst verstärkt diese Distanz: Die Rolltreppen und betonierten Flure wirken kalt und unpersönlich. Selbst die offiziellen Besucherzahlen täuschen, da sie jeden erfassen, der nur für ein Foto in den Innenhof tritt.
Fünf Jahre nach der Eröffnung ringt das Humboldt Forum noch immer um seine Identität. Seine anspruchsvollen Programme und prominent besetzten Debatten haben die Kluft zu den lokalen Bewohnerinnen und Bewohnern bisher nicht überwunden. Die Herausforderung bleibt, sich vom kolonialen Erbe und den physischen Barrieren zu lösen – und wirklich Teil der Stadt zu werden.
