Glasfaserausbau in Deutschland beschleunigt sich durch offene Netzzugänge und neue Partnerschaften
Carmine WeißGlasfaserausbau in Deutschland beschleunigt sich durch offene Netzzugänge und neue Partnerschaften
Deutschlands Glasfaserausbau gewinnt an Fahrt: Fast 300 Netzbetreiber treiben bundesweit die Infrastruktur voran. Offene Netzzugangsvereinbarungen – bei denen Betreiber ihre Netze Drittanbietern zur Verfügung stellen – spielen dabei eine immer zentralere Rolle. Bereits jetzt haben mehrere Unternehmen entsprechende Kooperationen geschlossen, andere wollen in den kommenden Jahren nachziehen.
Die Deutsche GigaNetz hat kürzlich Partnerschaften mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof sowie Westconnect finalisiert. Gleichzeitig wird Plusnet seine Dienste über die Netze von OXG anbieten. Diese Zusammenarbeit unterstreicht einen branchenweiten Trend hin zu geteilter Infrastruktur.
Um die Kompatibilität zwischen den Netzen zu vereinfachen, setzen die Betreiber auf S/PRI, eine standardisierte Schnittstelle für Glasfasernetze. Dieser technische Schritt soll den offenen Netzzugang effizienter und reibungsloser gestalten.
Vorausschauend plant die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, ihr Glasfasernetz ab 2030 oder 2031 unter Open-Access-Bedingungen für Drittanbieter zu öffnen. Zwar liegen noch keine konkreten Zahlen vor, doch könnten auch andere kommunale Betreiber künftig ähnliche Modelle einführen.
Der Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sieht eine neue Regelung vor: In Gebieten mit nur einem Glasfasernetz müssen Betreiber verpflichtend in Verhandlungen mit Drittanbietern treten. Damit soll die Entstehung von Monopolen verhindert und der Wettbewerb gestärkt werden.
Branchenvertreter bewerten die Vor- und Nachteile des offenen Netzzugangs unterschiedlich. Frank Rosenberger von 1&1 Versatel betont, dass 83 Prozent der Kunden eine Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern wünschen. Steven Blount von EWE Tel räumt ein, dass Open Access zwar höhere Anfangsinvestitionen erfordert, dafür aber sichert, dass die Netze ihre volle Kapazität erreichen. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), fordert hingegen eine stärkere regulatorische Aufsicht für Fälle, in denen der offene Netzzugang keinen fairen Wettbewerb garantiert.
Der Vorstoß für Open Access verändert den deutschen Glasfasermarkt grundlegend: Immer mehr Betreiber teilen ihre Infrastruktur, während Regulierungsbehörden für mehr Fairness sorgen. Mit der Ausweitung von Vereinbarungen und der Verbesserung von Standards dürften Verbraucher in den kommenden Jahren von einer größeren Auswahl und effizienteren Dienstleistungen profitieren.






