EZB kauft riskante Unternehmensanleihen – und wird zum Mega-Hedgefonds der Eurozone
Esther SchülerEZB kauft riskante Unternehmensanleihen – und wird zum Mega-Hedgefonds der Eurozone
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Rolle auf den Finanzmärkten ausgeweitet, indem sie auch Unternehmensanleihen mit niedrigerer Bonität kauft. Dieser Schritt stellt einen tieferen Eingriff in die Wirtschaft dar und zielt darauf ab, die Finanzierungsbedingungen für angeschlagene Unternehmen zu verbessern. Kritiker werfen der EZB vor, ihre Funktion angleiche sich damit zunehmend der eines Hedgefonds an.
Im Rahmen ihres Anleihenkaufprogramms hat die EZB bereits 440 Unternehmensanleihen erworben. Viele davon stammen von Firmen in Italien, Portugal und Finnland, darunter auch solche mit schwächerer Kreditwürdigkeit. Fast die Hälfte der Papiere fällt in die Kategorie B oder darunter – eine Stufe, die von Ratingagenturen oft als spekulativ oder "Ramsch" eingestuft wird.
Die EZB kann sich bei der Einstufung als investmentgrade – also als Anlage mit ausreichender Bonität – auf das beste verfügbare Rating der vier großen Agenturen berufen. Diese Flexibilität ermöglicht es ihr, riskantere Vermögenswerte in ihr Portfolio aufzunehmen. Sollte eines dieser Unternehmen kollabieren, träfe die finanzielle Last letztlich die Steuerzahler der Eurozone.
Das Ausmaß dieser Käufe hat Analysten dazu veranlasst, die EZB mit den größten Hedgefonds der Welt zu vergleichen. Gemeinsam mit der Bank von Japan hält sie mittlerweile mehr Unternehmensschulden als traditionelle Hedgefonds-Standorte wie London oder New York.
Mit ihrer Anleihestrategie prägt die EZB ihre wirtschaftliche Rolle weiter um. Durch den Kauf riskanterer Unternehmensanleihen setzt sie sich einer größeren finanziellen Belastung aus – und am Ende haften die Steuerzahler der Eurozone für mögliche Verluste.






