07 April 2026, 08:11

Das Ende der Printzeitung: Wie Greiz seine Nachrichten verlor und rechtsextreme Medien gewannen

Altes gelbliches Zeitungsblatt mit Schwarz-Weiß-Foto von Menschen in traditioneller Kleidung auf dem Land.

Das Ende der Printzeitung: Wie Greiz seine Nachrichten verlor und rechtsextreme Medien gewannen

Fast ein halbes Jahrhundert lang verließ sich Oma Paluschke auf ihre tägliche Printausgabe der Ostthüringer Zeitung (OTZ). Doch im Frühjahr 2023 stellte die Zeitung den Druckdienst in elf Gemeinden rund um Greiz ein – darunter auch in ihrer. Der abrupte Wechsel ins Digitale ließ viele langjährige Leserinnen und Leser zurück: Sie kämpften mit der Umstellung – oder gaben schlicht auf.

Die Änderung kam mit wenig Vorlauf. Die Funke Mediengruppe, zu der die OTZ gehört, räumte ein, dass die digitale Umstellung nur acht Wochen Vorbereitungszeit hatte. Rund 300 Abonnenten, darunter Paluschke, erhielten Tablets und eine kurze Einweisung, um das E-Paper nutzen zu können. Doch fast die Hälfte ihrer Bekannten kündigte das Abo komplett.

Schon vor dem Wechsel hatten viele in Greiz aufgehört, klassische Zeitungen zu lesen. Manche überflogen nur noch das Amtsblatt der Kommune, das keine kritische Berichterstattung bot. Die Lücke blieb nicht lange ungenutzt. Kostenlose Anzeigenblätter mit Verbindungen zur rechtsextremen AfD füllten sie, ebenso wie Plattformen wie der Heimatbote Vogtland, die offen AfD-nahe Politik verbreiten.

Das Netzwerk Recherche untersuchte die Folgen in einem Projekt mit dem Titel Lückenfüller: Was passiert, wenn die lokale Zeitung verschwindet? Die Ergebnisse zeigten, wie schnell alternative Medien – oft mit klarer politischer Ausrichtung – das Vakuum füllten, das der Rückzug der OTZ aus dem Printbereich hinterließ.

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Für Paluschke brachte die Umstellung unerwartete Veränderungen mit sich. Sie liest ihre OTZ nun als E-Paper und hat sogar begonnen, sich mit Online-Dating zu beschäftigen.

Das Ende der gedruckten OTZ veränderte, wie Greiz an Nachrichten kommt. Einige, wie Paluschke, gewöhnten sich an das digitale Lesen, andere wandten sich ganz von der lokalen Berichterstattung ab. Gleichzeitig gewannen rechtsextreme Medien an Einfluss in einem Raum, der einst von einer traditionsreichen Regionalzeitung geprägt war. Die Umstellung hat nachhaltige Spuren bei den Leserinnen und Lesern sowie in der lokalen Medienlandschaft hinterlassen.

Quelle