Bundesregierung verschärft Regeln für medizinisches Cannabis und stoppt Online-Rezepte
Esther SchülerBundesregierung verschärft Regeln für medizinisches Cannabis und stoppt Online-Rezepte
Die deutsche Bundesregierung plant strengere Regeln für die Verschreibung von medizinischem Cannabis. Ein neuer Gesetzentwurf sieht ein Verbot von Online-Rezepten und dem Versandhandel mit dem Wirkstoff vor. Behörden begründen die Änderungen mit der Notwendigkeit, Missbrauch zu verhindern und die Patientensicherheit zu gewährleisten.
Professor Dr. Hendrik Streeck, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, äußert Bedenken gegenüber den aktuellen Praktiken. Er warnt, dass einige Ärzte zu großzügig verschreiben, während Telemedizin-Anbieter den Zugang ohne ausreichende Kontrolle zu einfach gestalten.
In der ersten Hälfte des Jahres 2023 kauften über 35.000 registrierte Patienten mindestens einmal Cannabis in Apotheken. Mittlerweile sind mehr als 100.000 Menschen auf medizinisches Cannabis angewiesen, viele berichten von einer besseren Lebensqualität und Linderung ihrer Symptome innerhalb von sechs Monaten. Dennoch betont Streeck, dass es in der Debatte nicht um eine Legalisierung gehe, sondern um verantwortungsvolle medizinische Versorgung.
Die aktuellen Vorschriften verlangen bereits persönliche Arztbesuche für Erstverschreibungen von Substanzen mit Suchtpotenzial. Allerdings haben Telemedizin-Dienste wie CanDoc Videokonsultationen eingeführt, was Fragen zur Aufsicht aufwirft. Streeck verweist auf problematische Entwicklungen, etwa dass Ärzte bestimmte Cannabissorten bevorzugen, statt auf die richtige Dosierung zu achten, und eine kleine Gruppe von Medizinern ein hohes Verschreibungsvolumen ausstellt.
Das geplante Gesetz zielt darauf ab, die Kontrollen zu verschärfen, indem Behandlungsentscheidungen strikt in die Hände der Ärzte gelegt werden. Es soll persönliche Konsultationen, strukturierte Therapiepläne und regelmäßige Nachsorge vorschreiben. Der Pharmakonzern Stada unterstützt das Verbot von Cannabis-Versandhandel und argumentiert, dies verringere das Missbrauchsrisiko.
Streeck räumt ein, dass in Deutschland etwa fünf Millionen Erwachsene Cannabis konsumieren, weshalb klare Regelungen unverzichtbar seien. Zwar befürworte er medizinisches Cannabis zur Schmerztherapie, doch betont er die Notwendigkeit strengerer Schutzmaßnahmen, um Abhängigkeit zu vermeiden und eine hochwertige Versorgung zu sichern.
Der Gesetzentwurf würde eine Wende in der Verschreibung und Abgabe von medizinischem Cannabis bedeuten. Bei einer Verabschiedung müssten Patienten vor Behandlungsbeginn persönlich beim Arzt erscheinen. Die Regierung bleibt darauf fokussiert, den Zugang zu Cannabis mit Maßnahmen gegen Missbrauch und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit in Einklang zu bringen.






