27 March 2026, 12:19

Ampelkoalition streitet über Zukunft von medizinischem Cannabis und Telemedizin-Rezepten

Blauer Hintergrund mit fetter weißer Schrift, die "Lawmakers Spent 33 Years Calling for Action to Allow Medicare to Negotiate Drug Prices" lautet und ein Logo unten.

Ampelkoalition streitet über Zukunft von medizinischem Cannabis und Telemedizin-Rezepten

Die deutsche Ampelkoalition drängt auf strengere Kontrollen bei der Verschreibung von medizinischem Cannabis und in der Telemedizin. In den vergangenen Jahren hat der Online- und Versandhandel stark zugenommen – mit wachsenden Bedenken hinsichtlich der Patientensicherheit und regulatorischer Lücken. Nun fordern sowohl SPD als auch CDU Änderungen, doch über das Ausmaß der neuen Regeln gibt es weiterhin Streit.

Seit 2017 hat sich die Verteilung von medizinischem Cannabis in Deutschland rasant ausgeweitet. Die Importe stiegen im ersten Halbjahr 2025 um über 400 Prozent auf 80 Tonnen – angetrieben vor allem durch telemedizinische Rezepte, die ohne persönliche Konsultation ausgestellt wurden. Dieser Boom führte zu rechtlichen Auseinandersetzungen, darunter ein Urteil des Bundesgerichts, das Werbung für Cannabis im Internet verbot, sowie Regierungsvorschläge, rein videobasierte Verschreibungen zu unterbinden.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will Online-Rezepte und den Versandhandel komplett abschaffen und besteht darauf, dass Patienten ihre Medikamente in Apotheken mit fachkundiger Beratung abholen. Der CDU-Politiker Dr. Thomas Pauls betont, medizinisches Cannabis müsse klar von Freizeitkonsum abgegrenzt werden. Strengere Regeln würden Ärzten Rechtssicherheit geben – selbst wenn dadurch einige Freiheiten eingeschränkt würden.

Die SPD hingegen lehnt zentrale Teile des Plans ab. Der gesundheitspolitische Sprecher Serdar Yüksel stellte klar, dass digitale Rezepte "nicht verhandelbar" seien und die Telemedizin-Regelungen nicht zurückgenommen werden dürften. Einig sind sich die Koalitionspartner jedoch in einem Punkt: Die sogenannten "Klick-Rezepte", bei denen Patienten Medikamente in unter 30 Sekunden erhalten, müssen gestoppt werden.

Unterdessen schlägt der Verband Cannabis produzierender Ärzte (VCA) einen anderen Weg vor. Dr. Christiane Neubaur regte Modellprojekte an, in denen bestimmte Cannabisprodukte rezeptfrei in Apotheken verkauft werden könnten. Ärzteverbände gehen bereits gegen Mediziner vor, die Patienten mit Fragebögen zu Verschreibungen verhelfen.

Trotz der Diskussionen dürfte der Kabinettsentwurf zu Telemedizin und Cannabis in seiner aktuellen Form kaum eine Mehrheit im Parlament finden. Die Debatte zeigt das Spannungsfeld zwischen verschärften Kontrollen und dem Erhalt des Zugangs zu medizinischem Cannabis. Sollten die neuen Regeln verabschiedet werden, wären persönliche Apothekenabholungen Pflicht, während der Versandhandel verboten würde. Doch der Weg des Regierungsvorschlags durch das Parlament bleibt vorerst ungewiss.

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