24 March 2026, 14:11

"Nurejew"-Ballett zwischen Kunst, Verbot und politischer Zensur in Russland

Vier junge Balletttänzerinnen in weißen Kleidern tanzen auf einer Bühne mit einer gemalten Kulisse aus Bäumen und Himmel in Schwarz-Weiß.

"Nurejew"-Ballett zwischen Kunst, Verbot und politischer Zensur in Russland

Ein Ballett zu Ehren von Rudolf Nurejews außergewöhnlichem Leben hat seit seiner Uraufführung sowohl Begeisterung als auch Kontroversen ausgelöst. Die 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater erstmals aufgeführte Produktion wurde später in Russland wegen ihrer LGBTQ+-Thematik verboten. Heute spiegelt ihre komplexe Geschichte die größeren Spannungen im künstlerischen und politischen Klima des Landes wider.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Das Ballett "Nurejew" zeichnet den Werdegang des Tänzers nach – von seinen Anfängen unter der Leitung Alexander Puschkins bis zu seiner dramatischen Flucht nach Frankreich. Es erkundet seine tiefe Liebe zu Russland sowie sein Verlangen nach Freiheit, eingebettet in eine symbolträchtige Bühnengestaltung mit männlichen Akten alter Meister, Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen seiner italienischen Insel. Die Uraufführung des Stücks fand 1995 am Berliner Staatsballett statt – im selben Jahr, in dem nach Nurejews Tod 1993 in Paris sein Nachlass versteigert wurde.

Der Choreograf Juri Possochow, ein in der Ukraine geborener US-Bürger, und der Regisseur Kirill Serebrennikow, der 2017 unter Hausarrest stand, arbeiteten an der ursprünglichen Inszenierung zusammen. Serebrennikow, der später wegen Veruntreuung verurteilt wurde, lebt mittlerweile im Exil in Berlin, nachdem er aus Russland geflohen war. Possochow hingegen setzt seine Arbeit am Bolschoi-Theater fort – trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seit 2022.

Während der erste Akt für seine emotionale Tiefe gelobt wird, verliert der zweite an Schwung, obwohl kraftvolle Solodarbietungen und große Ensembleszenen überzeugen. Seit der Premiere 2017 hat die Unterdrückung künstlerischer Freiheit in Russland – verschärft durch den Krieg – abweichende Stimmen zum Schweigen gebracht. Serebrennikow bleibt im Exil, Possochow äußert sich öffentlich nicht zum Verbot.

"Nurejew" bleibt eine beeindruckende Hommage an einen legendären Tänzer, doch seine Zukunft in Russland ist ungewiss. Das Verbot unterstreicht die wachsenden Einschränkungen der künstlerischen Entfaltung und zwingt Künstler wie Serebrennikow, ihre Werke im Ausland zu präsentieren. Gleichzeitig faszinieren die lebendige Erzählweise und die symbolträchtige Bühnenbildgestaltung weiterhin internationales Publikum.

Quelle