NGOs fordern radikale Reform der deutschen Entwicklungspolitik vor drohenden Kürzungen
Tilly HörleNGOs fordern radikale Reform der deutschen Entwicklungspolitik vor drohenden Kürzungen
Zwei führende deutsche Nichtregierungsorganisationen haben ihren jährlichen Rückblick auf die Entwicklungspolitik des Landes vorgestellt. Mathias Mogge und Joshua Hofert, die Generalsekretäre von Welthungerhilfe und Terre des Hommes, präsentierten am Mittwoch ihre Erkenntnisse. Dabei wiesen sie auf wachsende Herausforderungen hin und forderten dringende Reformen bei der Vergabe und Finanzierung von Entwicklungshilfe.
Die Bundesregierung hat den Etat für Entwicklungszusammenarbeit seit 2022 um ein Drittel gekürzt. Für den Haushalt 2027 sind weitere Kürzungen zu erwarten. Trotz dieser Einschnitte fordern die Organisationen eine Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro für das kommende Jahr.
Mogge betonte die Notwendigkeit, stärker in präventive Maßnahmen zu investieren, statt nur auf Krisen zu reagieren. Die Reform müsse Qualität vor Quantität stellen, mit weniger Bürokratie und mehr Freiraum für zivilgesellschaftliche Gruppen, so seine Forderung.
Hofert bestand darauf, dass der Prozess nicht allein aus Berlin gesteuert werden dürfe. Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen müssten verbindlich in die Gestaltung der Veränderungen einbezogen werden. Die NGOs unterstrichen zudem, dass Hilfe bedarfsorientiert, neutral und unabhängig von politischen oder sicherheitspolitischen Interessen bleiben müsse.
In ihrem gemeinsamen Bericht begrüßen die Organisationen zwar die Neuausrichtung der Politik, warnen jedoch, dass den aktuellen Reformplänen eine klare Strategie fehle. Sie argumentieren, dass die Zivilgesellschaft in Deutschland und den Partnerländern einbezogen werden müsse, um Wirksamkeit zu gewährleisten.
Die Einschätzung der NGOs erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Entwicklungspolitik durch globale Krisen, Konflikte und den Klimawandel unter zunehmendem Druck steht. Sie fordern einen inklusiveren, transparenteren und lokal verankerten Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit. Ohne diese Veränderungen, so ihre Warnung, werde die Wirkung der deutschen Entwicklungshilfe weiter nachlassen.
