24 May 2026, 00:20

Luftfahrtbranche kämpft mit Steuerchaos und Rekordkosten – 10.000 Jobs in Gefahr

Triple Whammy trifft die Luftfahrtindustrie

Luftfahrtbranche kämpft mit Steuerchaos und Rekordkosten – 10.000 Jobs in Gefahr

Deutschlands Luftfahrtbranche steht unter wachsendem Finanzdruck, da die Treibstoffkosten steigen und die Passagierzahlen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie liegen. Eine kürzliche Steuererhöhung, gefolgt von einem geplanten Rückgang, sorgt für zusätzliche Unsicherheit bei Airlines und Flughäfen. Gleichzeitig drohen im gesamten Sektor Arbeitsplatzverluste – aktuell sind 10.000 Stellen gefährdet.

Im Mai 2024 hatte die Bundesregierung die Luftverkehrsteuer (LuftVSt) um 19,4 Prozent angehoben. Dieser Schritt fiel in eine Phase, in der sich die Kerosinpreise seit Dezember 2022 mehr als verdoppelt hatten und nun 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten der Airlines ausmachen. Allein die Lufthansa rechnet aufgrund des Preisanstiegs mit zusätzlichen Treibstoffkosten von 1,7 Milliarden Euro.

Die Steuererhöhung war jedoch nur von kurzer Dauer: Ein aktueller Gesetzentwurf sieht vor, die Abgabe um 16,1 Prozent zu senken – eine faktische Rücknahme des vorherigen Anstiegs. Die fehlenden Einnahmen soll die Regierung durch Kürzungen im Haushaltstitel 12 ausgleichen, der eigentlich für die Instandhaltung von Straßen, Brücken und Häfen vorgesehen ist. Kritiker monieren, dass die Reform einen früheren Mechanismus nicht wiederherstellt, der die Luftverkehrsteuer an die Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel (EU-ETS) koppelte.

Doch die Probleme der Branche beschränken sich nicht auf die Steuerpolitik. Im Jahr 2025 fertigten deutsche Flughäfen 219,8 Millionen Passagiere ab – 12,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Zudem stellte die Fluggesellschaft Spirit Airlines im Mai 2023 nach 62 Jahren den Betrieb ein, was den Markt zusätzlich belastet. Angesichts dieser Herausforderungen könnte die für Juni geplante Nationale Luftfahrtstrategie, die Friedrich Merz auf der Berlin Air Show vorstellen wird, kaum ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern.

Die politischen Gräben verschärfen die Unsicherheit weiter: Während die AfD eine komplette Abschaffung der Luftverkehrsteuer bis zum 1. Dezember 2024 fordert, lässt die nur teilweise Rücknahme der Steuer Airlines und Beschäftigte in der Schwebe.

Die deutsche Luftfahrtbranche sieht sich damit einer gemischten Lage aus steigenden Kosten, wechselhafter Steuerpolitik und schwankender Nachfrage gegenüber. Mit 10.000 bedrohten Arbeitsplätzen und unsicheren Infrastrukturinvestitionen hofft der Sektor auf klare Signale aus der anstehenden Nationalen Luftfahrtstrategie. Die Airlines müssen unterdessen in den kommenden Monaten höhere Spritpreise und inkonsistente Steuerregelungen bewältigen.

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