Lkw-Hersteller warnen vor Scheitern der EU-Klimaziele durch fehlende Infrastruktur
Carmine WeißLkw-Hersteller warnen vor Scheitern der EU-Klimaziele durch fehlende Infrastruktur
Führende europäische Lkw-Hersteller haben Bedenken gegenüber den EU-Abgasvorschriften geäußert. Sie argumentieren, dass die aktuellen Pläne das Fehlen der notwendigen Infrastruktur für emissionsfreie Fuhrparks nicht ausreichend berücksichtigen. Branchenvertreter warnen, dass die Klimaziele im Güterverkehr ohne dringende Maßnahmen verfehlt werden könnten.
Auf einer kürzlichen Fachveranstaltung kritisierten Führungskräfte führender Unternehmen die Kluft zwischen regulatorischen Vorgaben und wirtschaftlicher Realität. Karin Rådström, Vorstandsvorsitzende der Daimler Truck Holding AG, betonte die Notwendigkeit eines schnelleren Fortschritts, um beide Bereiche in Einklang zu bringen.
Maximilian von Löbbecke von Renault Trucks Deutschland wies darauf hin, dass noch immer 98 Prozent der Lkw auf der Straße mit Diesel betrieben werden. Hohe Kosten nannte er als Hauptgrund für den zögerlichen Umstieg auf alternative Antriebe. Die geplanten Euro-7-Abgasnormen, die bis 2049 eine CO₂-Reduktion vorsehen, stoßen auf Skepsis – vor allem wegen unzureichender Lade- und Wasserstofftankstellen-Netze.
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), forderte den Aufbau tausender Wasserstofftankstellen, um die Ladeinfrastruktur zu ergänzen. Alexander Vlaskamp, Vorstandsvorsitzender von MAN Truck & Bus, ergänzte, dass Europa monatlich 750 bis 800 Hochleistungs-Ladestationen errichten müsse, um die Ziele für 2030 zu erreichen. Der VDA schätzt zudem, dass allein Deutschland bis 2030 etwa 350 Schwerlast-Ladestationen benötigen wird.
Die Hersteller heben hervor, dass die Branche ihre Zusagen bereits erfüllt habe: Batterieelektrische Lkw mit einer Reichweite von 500 Kilometern sind bereits im Einsatz. Dennoch bleiben die hohen Gesamtbetriebskosten und die Infrastrukturdefizite die größten Hindernisse, so die Unternehmen.
Die Industrie betont, dass ohne rasche Investitionen in die Infrastruktur Europas ehrgeizige Pläne für einen klimaneutralen Güterverkehr ins Stocken geraten könnten. Die Hersteller bestehen darauf, dass regulatorische Vorgaben mit praktischer Unterstützung einhergehen müssen, um einen realistischen Wandel zu gewährleisten. Der Erfolg emissionsfreier Fuhrparks hängt sowohl von der Technologie als auch von einem flächendeckenden Tank- und Ladestellennetz ab.
