23 April 2026, 18:12

"Kein Körper passt": Wie Kims Geschichte auf der Bühne Trauma und Identität neu definiert

Einband eines alten Buches mit dem Titel "Leben und Untersuchung der Möchtegern-Damen", das drei illustrierte Frauen verschiedenen Alters und Ethnien zeigt.

"Kein Körper passt": Wie Kims Geschichte auf der Bühne Trauma und Identität neu definiert

Kim de l'Horizons Debütroman Kein Körper passt schrieb 2022 Geschichte, als er sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Nun feierte die Bühnenadaption im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg eine ausverkaufte Premiere. Die Inszenierung bringt eine zutiefst persönliche Reise von Identität, Trauma und Heilung auf die Bühne.

Die Geschichte folgt Kim, einer nicht-binären Erzählfigur, deren Körper sich festen Definitionen entzieht. Im Kampf gegen gesellschaftliche Erwartungen versucht Kim, sich in Rollen zu pressen, die nie passen. Die Suche nach dem eigenen Ich beginnt, als die Demenz der Großmutter sie zurück in Kindheitserinnerungen in einem Schweizer Vorort zieht.

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Auf der Bühne wird Kim von drei Schauspieler:innen verkörpert – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die gemeinsam die Komplexität einer genderfluiden Existenz einfangen. Das Bühnenbild zeigt zerrissene, beige Strumpfhosen, die von der Decke hängen, beschwert mit Sand und Kugeln – ein Symbol für die Last des vererbten Schweigens.

Kims einziger Rückzugsort ist eine Blutbuche, die einst der Urgroßvater für seine enterbte Tochter gepflanzt hatte. Dieser Baum wird zum Ausgangspunkt, um transgenerationale Traumata aufzudecken, die sich durch die mütterliche Linie ziehen. Der Höhepunkt der Handlung ist das symbolische "Zur-Ruhe-Betten" des "Großen Meeres" – ein Akt, der das Schweigen bricht, das Generationen erstickt hat.

Im Kern geht es in dem Stück um die Verwandlung von Scham in Selbstakzeptanz. Kims Weg ist einer der Rückeroberung eines Körpers und einer Geschichte, die die Gesellschaft auslöschen wollte.

Die Premiere markiert einen kraftvollen Moment queeren Erzählens auf der Bühne. Indem Kein Körper passt Schweigen und Trauma konfrontiert, wirft es einen schonungslosen, ungeschönten Blick auf Identität und Heilung. Die ausverkaufte Vorstellung unterstreicht, wie sehr das Publikum nach Geschichten jenseits traditioneller Grenzen verlangt.

Quelle