02 April 2026, 16:10

Jeder zweite Jugendliche betroffen: Wie sexualisierte Gewalt im Netz Schulen überfordert

Eine Karte von Australien mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von minderjährigen Teenagern in jedem Bundesstaat darstellen, begleitet von Text, der besagt, dass einvernehmlicher Sex minderjährige Teenager auf die Sexstraftäterliste setzen kann.

Jeder zweite Jugendliche betroffen: Wie sexualisierte Gewalt im Netz Schulen überfordert

Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ist laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen. Viele Lehrkräfte fühlen sich mit dem Problem überfordert und wünschen sich mehr Unterstützung. Fachleute fordern nun einen ganzheitlichen Ansatz, an dem Schulen, Eltern und sogar Technologieunternehmen mitwirken müssen, um die wachsende Bedrohung einzudämmen.

Yasmina Ramdani, Expertin für digitale Sicherheit, setzt sich seit Jahren direkt mit Schülerinnen und Schülern für Aufklärung zu diesem Thema ein. Im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts, finanziert vom Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz, leitete sie in der gesamten Region Präventionsworkshops. Rund 5.000 Jugendliche der fünften bis achten Klasse nahmen teil – ein bundesweit einmaliges Programm dieser Art.

Ramdani arbeitet mit interaktiven Methoden wie Bingokarten, um junge Menschen dazu zu ermutigen, über sexualisierte Gewalt im digitalen Raum offen zu sprechen. Ihr Ansatz verbindet Online-Erfahrungen mit realen Gesprächen. Allerdings gibt es keine öffentlichen Daten darüber, wie viele Schulen bundesweit seitdem ähnliche Workshops eingeführt haben.

Besonders besorgniserregend ist das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter gezielt über Chats und soziale Medien Kinder ansprechen. Anders als in physischen Räumen ermöglichen digitale Plattformen es Straftätern, auf einen Schlag deutlich mehr Opfer zu erreichen. Viele Vorfälle geschehen zudem im Kreis von Freundesgruppen oder Klassenchats – oft aus Naivität oder mangelndem Bewusstsein für Grenzen.

Ramdani betont, dass die Sicherheit von Kindern im Netz maßgeblich von den Erwachsenen in ihrem Umfeld abhängt. Eltern werden aufgefordert, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Einvernehmlichkeit und Risiken zu sprechen. Lehrkräfte hingegen berichten, dass sie sich ohne ausreichende Fortbildungen und Materialien nicht ausreichend gerüstet fühlen, um solche Situationen zu bewältigen.

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Die Studie zeigt ein flächendeckendes Problem auf: Fast jeder zweite junge Mensch ist von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen. Zwar zeigte das Thüringer Pilotprojekt vielversprechende Ansätze, doch sind sich Expertinnen und Experten einig, dass nachhaltige Lösungen nur durch ein abgestimmtes Vorgehen möglich sind. Dazu gehören bessere Schulprogramme, die Einbindung der Eltern sowie eine kritischere Prüfung der Verantwortung von Technologieunternehmen bei der Prävention.

Quelle