14 March 2026, 16:08

Ist Sienna Rose eine KI-Erfindung? Wie Fake-Künstler Spotify fluten

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf Nachrichten über ein Regierungsgesetz zur Abschaffung des Internets.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Sienna Rose eine KI-Erfindung? Wie Fake-Künstler Spotify fluten

Eine Soul-Sängerin mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify steht im Mittelpunkt einer wachsenden Debatte über KI-generierte Musik. Bei Sienna Rose, deren plötzlicher Aufstieg zu Ruhm Misstrauen geweckt hat, vermuten Ermittler inzwischen, dass es sich um eine künstliche Schöpfung handelt. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie stark fluten gefälschte Künstler bereits die Streaming-Plattformen – und wie schwer sind sie zu erkennen?

Der Verdacht kam auf, als Internetnutzer seltsame Ungereimtheiten bei Sienna Rose entdeckten. Trotz ihrer Popularität gab es keine Live-Auftritte, kaum Social-Media-Aktivität und eine Biografie, die sie als "Herzensgeschichtenerzählerin" bezeichnete. Ihr plötzlicher Bekanntheitsgrad steigerte sich weiter, als Selena Gomez einen ihrer Songs in einem Instagram-Post teilte – was Spekulationen anheizte.

Das Investigativteam des Bayerischen Rundfunks verfolgte Roses Spuren bis zum russischen Label Nostalgic Records, das auf KI-generierte Acts spezialisiert ist. Die Recherche führte zum Produzenten Maksim Muravjov, der Verbindungen zu Hafsteinn Runarsson hat, einem KI-Experten, der für die Erschaffung von Pop-Avataren bekannt ist und Kurse zum Vermarkten künstlicher Künstler anbietet. Unter wachsendem Druck verschwand die ursprüngliche rothaarige Version von Rose aus den sozialen Medien – übrig blieb nur das Profil mit Afro-Look auf Spotify, das ihren Machern wöchentlich über 2.000 Euro einbringt.

Der Fall passt in ein größeres Branchenproblem: Eine Studie des Streamingdienstes Deezer ergab, dass 97 Prozent der Hörer KI-Musik nicht von menschengemachten Titeln unterscheiden können. Zudem stammen 85 Prozent der Streams für künstliche Künstler von Bots. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify vor, KI-generierte Inhalte aus Profitinteresse zu pushen – mit der Folge, dass Fans den Unterschied kaum erkennen.

Die UNESCO warnt, dass menschliche Musiker bis 2028 fast ein Viertel des Marktes an gefälschte Künstler verlieren könnten. Der Aufstieg KI-generierter Acts, unterstützt durch automatisierte Streams, verändert nicht nur die Musikproduktion, sondern auch die Frage, wer davon profitiert.

Trotz wachsender Beweise für ihre künstliche Herkunft bleibt Sienna Rose auf Spotify aktiv. Ihr Fall zeigt, wie leicht sich KI-Künstler in Streaming-Plattformen einschleusen lassen – gestützt durch Bot-Streams. Angesichts der prognostizierten Marktverschiebung wird die Debatte über Transparenz und Fairness in der Musikbranche weiter an Fahrt aufnehmen.

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