08 May 2026, 00:19

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen Historico-Politica in Instrumentum Pacis" aufgeklappt mit schwarzer Tinte auf einer Seite innerhalb eines dekorativen Rahmens.

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Historiker Horst Möller positioniert sich zu historischen Vergleichen in der aktuellen Politik

Der Historiker Horst Möller hat sich zu der häufigen Verwendung historischer Vergleiche in der modernen Politik geäußert. Seine Stellungnahme erfolgt vor dem Hintergrund einer Debatte über Begriffe wie „Faschismus“ und drastische Bildsprachen – etwa die Darstellung Donald Trumps in nationalsozialistisch anmutenden Posen. Möller warnt davor, voreilige Parallelen zu ziehen, ohne die historische Gesamtschau zu berücksichtigen.

Möller argumentiert, dass historische Vergleiche komplexe Ereignisse oft vereinfachen. Er verweist darauf, dass sich die Krisen der Weimarer Republik über zwölf Jahre hinzogen, während sich die Herausforderungen der Bundesrepublik über 76 Jahre auf einer völlig anderen Ebene entfalteten. Beide Systeme sahen sich Entwicklungsproblemen gegenüber, doch mahnt er, einzelne Aspekte nicht isoliert und ohne Kontext zu betrachten.

Der Historiker lehnt zudem die Vorstellung eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur nach dem Ersten Weltkrieg ab. Viele europäische Nationen waren damals politisch labil – Deutschlands Schwierigkeiten seien daher Teil eines größeren Trends gewesen und keine Ausnahme.

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Zur aktuellen Politik ordnet Möller die Alternative für Deutschland (AfD) nicht als „faschistische“ Partei ein. Ein „Führerkult“, wie er für historische Faschismusbewegungen charakteristisch sei, sei in ihren Reihen nicht erkennbar. Der Begriff selbst habe sich während der 68er-Proteste zu einem linksgerichteten Schlagwort entwickelt, doch betont Möller, wie wichtig eine sorgfältige Analyse ist, bevor man ihn heute anwendet.

In der öffentlichen Debatte werden oft drastische Vergleiche bemüht – von der Gleichsetzung von COVID-19-Kritikern mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl bis zur Darstellung Putins als neuem Hitler. Magazine wie Der Spiegel oder Stern griffen zu provokanten Bildern, etwa Trump beim Hitlergruß oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue. Möller plädiert für Zurückhaltung: Geschichte müsse sich erst vollständig entfalten, bevor präzise Vergleiche gezogen werden könnten.

Möllers Aussagen unterstreichen die Gefahren überstürzter historischer Analogien. Er betont, dass Kontext und Zeit entscheidend für eine faire Bewertung seien. Ohne sie drohten politische Debatten eher Verzerrung als Klarheit zu schaffen.

Quelle