Hessen streicht 10.000 Schulstunden – und trifft damit die Schwächsten
Hilma PergandeSchulfinanzierungskrise vor Lokalwahlen - Hessen streicht 10.000 Schulstunden – und trifft damit die Schwächsten
Im hessischen Landtag wurde eine Dringlichkeitssitzung einberufen, nachdem die Grünen und die Freie Demokratische Partei (FDP) dringende Bedenken gegen geplante Kürzungen an den Gesamtschulen der Region erhoben hatten. Kritiker warnen, dass die Maßnahmen ab dem kommenden Schuljahr wöchentlich rund 10.000 Unterrichtsstunden streichen werden – mit besonders schweren Folgen für benachteiligte Schülerinnen und Schüler.
Der Streit entbrannte, als Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) ankündigte, die Kürzungen vorerst auf ein Jahr zu begrenzen, konkret für das Schuljahr 2026/2027. Er bezeichnete sie als notwendige "Anpassungen" und verwies auf eine insgesamt gestiegene Bildungsbudget. Doch der Widerstand formierte sich schnell.
Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Daniel May, nannte die Pläne eine "Bildungspolitische Katastrophe". Er argumentierte, der Wegfall von Stunden werde die Lernbedingungen verschlechtern – vor allem an Schulen, die bereits unter Druck stünden. Moritz Promny von der FDP pflichtete ihm bei und betonte, dass besonders Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf die Leidtragenden sein würden.
Anfang Februar schaltete sich Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) ein und bot 1,5 Millionen Euro aus den Mitteln seines Ressorts an, um die Auswirkungen abzufedern. Sowohl May als auch Promny lehnten den Vorschlag als unzureichend ab. Unterdessen kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Landesregierung, weil sie die massiven Proteste ignorierte.
Die Kürzungen werden nicht gleichmäßig verteilt: Rund ein Drittel der gestrichenen Stunden – verbunden mit etwa 400 Lehrstellen – trifft auf Frankfurt, die Stadt Offenbach und den Kreis Offenbach. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die Schülerzahlen an Hessens Integrierten Gesamtschulen (IGS) im Schuljahr 2025/2026 um 2,5 Prozent stiegen und die ohnehin angespannten Ressourcen weiter belasten.
Trotz anhaltender Kritik bleiben die Kürzungen für 2026/2027 bestehen. Schulen in Frankfurt und Offenbach müssen die größten Einbußen verkraften, während die Landesregierung keine Kompromissbereitschaft zeigt. Die Entscheidung zwingt Lehrkräfte, Gewerkschaften und Opposition dazu, sich auf ein Schuljahr mit deutlich reduzierter Unterstützung im Klassenzimmer vorzubereiten.