15 March 2026, 20:20

Grimme Online Award zwischen Jubel und Protesten bei der Preisverleihung

Ein Plakat mit einem Zitat aus "Building a Better America", das besagt: "Wir müssen die sozialen Medien-Plattformen für das nationale Experiment zur Rechenschaft ziehen, das sie an unseren Kindern durchführen - zum Profit.", geschmückt mit Sternen.

Grimme Online Award zwischen Jubel und Protesten bei der Preisverleihung

Grimme Online Award: Feiern und Eklat bei der Preisverleihung

Die diesjährige Verleihung des Grimme Online Awards war geprägt von sowohl Jubel als auch Kontroversen. Zu den Preisträgern zählten Podcasts und digitale Projekte, die sich mit Gesundheit, Geschichte und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzten. Doch die Veranstaltung wurde von Protesten überschattet, nachdem der Journalistin Judith Scheytt postum der Preis aberkannt worden war.

Zwei Filmemacher lehnten aus Solidarität ihre eigene Auszeichnung ab und bezeichneten die Entscheidung als Angriff auf die Unabhängigkeit der Jury.

Die Auszeichnungen würdigten eine breite Palette digitaler Formate. In der Kategorie Information gewann der Podcast Parlamentsrevue für seine verständliche Aufbereitung parlamentarischer Arbeit. Auch Gesundheit und Lifestyle-Themen standen im Fokus: Little Monsters (WDR) setzte sich mit psychischer Gesundheit auseinander, Know & Grow (SWR für funk) räumte mit Fitness-Mythen auf, und Mertcan Usluers Gynaekollege lieferte faktenbasierte Aufklärung zu gynäkologischer Gesundheit. Weitere Preisträger waren Femizide stoppen, das Morde an Frauen dokumentiert, sowie Barrierebrecher, das den Alltag von Menschen mit Behinderungen zeigt. Auch das Spiel Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig wurde ausgezeichnet; es ermöglicht Nutzer:innen, die letzten Tage der DDR interaktiv zu erleben.

Die Veranstaltung nahm eine dramatische Wende, als die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block ihre Auszeichnung zurückwiesen. Sie ließen die Trophäe auf dem Podium stehen und verließen die Bühne – aus Protest gegen die Aberkennung von Judith Scheytts Preis. Block kritisierte den Schritt als "massiven Angriff auf die Unabhängigkeit einer Juryentscheidung durch externen Druck". Riesewieck warf der Grimme-Leitung vor, sich der Verantwortung zu entziehen.

Die Aberkennung selbst ging nicht vom Grimme-Institut, sondern vom unabhängigen Förderverein Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises aus. Institutsdirektorin Çiğdem Uzunoğlu bezeichnete die Entscheidung später als "formell inkorrekt" und kündigte eine Debatte über das Vorgehen an. Zudem versprach sie, das Institut künftig klarer vom Verein abzugrenzen.

Die Preise hoben innovative digitale Inhalte hervor – von Gesundheitsaufklärung bis zur historischen Erzählweise. Doch die Diskussionen wurden vom Eklat um Scheytts aberkannten Preis dominiert. Nun steht das Grimme-Institut vor Forderungen nach Reformen, um die Jury-Unabhängigkeit zu stärken und die Vergabeverfahren transparenter zu gestalten.

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