Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Wie Farben die Nation spalteten
Carmine WeißFlaggenstreit in der Weimarer Republik: Wie Farben die Nation spalteten
Flaggenstreit in der Weimarer Republik: Ein Symbol politischer Spaltung
Die Auseinandersetzung um die deutsche Flagge spitzte sich während der Weimarer Republik weiter zu, als sich die politischen Gräben vertieften. Mitte der 1920er Jahre hatte sich der Konflikt in zwei verfeindete Lager geteilt: Das eine unterstützte Schwarz-Rot-Gold, das andere hielt an Schwarz-Weiß-Rot fest. Selbst in den diplomatischen Vertretungen im Ausland entbrannte der Streit – ein Kompromissversuch konnte die Spannungen nicht entschärfen.
Die Wurzeln des Konflikts reichten bis zur Revolution von 1918/19 zurück, als die junge Republik Schwarz-Rot-Gold als Nationalfarben annahm. Doch Konservative und Monarchisten blieben der alten kaiserlichen Farbfolge Schwarz-Weiß-Rot verbunden. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung verfestigt: Auf der einen Seite stand der „Schwarz-Rot-Goldne Volksblock“, auf der anderen der „Schwarz-Weiß-Rote Reichsblock“. Selbst die Kommunisten, einst uneins, positionierten sich nun klar hinter den republikanischen Farben.
Der Reichskunstwart Edwin Redslob wurde mit der Beilegung des Streits beauftragt. Zu seinen Aufgaben gehörte die Gestaltung einer einheitlichen „Reichsflagge“, doch trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge fand sich keine Lösung. Die Nationalversammlung hatte zuvor einen brüchigen Kompromiss ausgehandelt: Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge, während die Handelsflagge beide Farbkombinationen vereinte. Doch der Waffenstillstand hielt nicht lange.
Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die zweite Flaggenverordnung. Sie verfügte, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas beide Flaggen hissen mussten. Nur vier Tage später veröffentlichte Hindenburg einen offenen Brief, in dem er eine verfassungsmäßige Regelung forderte, um den Streit beizulegen. Sein Appell verhallte jedoch weitgehend ungehört.
Die Verordnung konnte den grundlegenden Konflikt nicht lösen. Zwar zeigten die diplomatischen Vertretungen nun beide Flaggen, doch die politische Polarisierung blieb ungebrochen. Hindenburgs Aufruf zur Einheit verpuffte – die Flaggenfrage blieb ungelöst, die Spannungen schwelten weiter.






