Deutsche Firmen setzen trotz Rekordpreisen auf Fusionen und Übernahmen
Carmine WeißDeutsche Firmen setzen trotz Rekordpreisen auf Fusionen und Übernahmen
Deutsche Unternehmen treiben einen deutlichen Anstieg bei Fusionen und Übernahmen (M&A) voran – trotz wachsender Bedenken wegen überhöhter Preise. Zwar bleibt die Aktivität auf dem Deals-Markt robust, doch warnen Berater, dass die Bewertungen in vielen Branchen auf Rekordniveau gestiegen sind. Gleichzeitig konzentrieren sich die Unternehmen stärker auf vertraute Märkte als auf riskantere Schwellenländer.
Die Attraktivität von Unternehmenszukäufen in aufstrebenden Volkswirtschaften ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken und erreicht nur noch 3,94 von 10 Punkten. Stattdessen bevorzugen Firmen nun die Expansion in Märkten, in denen sie bereits aktiv sind – diese Strategie wird mit 6,88 bewertet. Mehr als drei Viertel der M&A-Teams planen weitere Übernahmen, vor allem in bekannten Regionen.
Organisches Wachstum bleibt der wichtigste Grund für Deals und erreicht mit 8,59 einen historischen Höchstwert. Dennoch halten Berater die Bewertungen für gefährlich hoch und stufen die Sorge vor einer Preisinflation mit 8,76 ein. Auch die Kaufpreise haben neue Spitzenwerte erreicht, was den Verhandlungsdruck erhöht.
Die Zuversicht, dass sich die Rahmenbedingungen für Deals im kommenden Jahr verbessern, ist auf 4,74 gesunken – die schwächste Prognose seit Oktober 2011. Positiv zu vermerken ist, dass regulatorische Hürden weniger bedrohlich erscheinen: Das Risiko, dass Einwände Deals zum Scheitern bringen, ist auf 3,35 gefallen – der niedrigste Wert seit zwei Jahren.
Die meisten deutschen Unternehmen setzen bei höchstens der Hälfte ihrer Transaktionen auf externe M&A-Beratung, was auf eine Bevorzugung interner Expertise in vielen Fällen hindeutet.
Das M&A-Umfeld sendet gemischte Signale: Eine starke Deal-Aktivität steht im Kontrast zu Sorgen über hohe Preise und gedämpfte Wachstumsaussichten. Die Unternehmen gehen auf Nummer sicher, indem sie sich auf vertraute Märkte beschränken, während Berater bei der Frage nach künftigen Verbesserungen zurückhaltend bleiben. Der Trend deutet auf einen selektiveren Ansatz hin, bei dem weniger Risiken in unbekannten oder überbewerteten Märkten eingegangen werden.






