Dänemarks Apothekenbranche kämpft mit Reformen und wachsendem Wettbewerb
Carmine WeißDänemarks Apothekenbranche kämpft mit Reformen und wachsendem Wettbewerb
Dänemarks Apothekenbranche durchläuft tiefgreifende Umbrüche
In den vergangenen Jahren hat sich der Apothekensektor in Dänemark grundlegend gewandelt. Eine rasante Zunahme der Filialen, gelockerte Besitzregeln und neue Vertriebsmodelle haben den Verkauf von Medikamenten neu geprägt. Doch diese Entwicklungen brachten auch finanzielle Herausforderungen und wachsenden Wettbewerb durch den Einzelhandel mit sich.
Die Zahl der Apothekenstandorte in Dänemark stieg von 76 auf 301 – die meisten Neueröffnungen konzentrieren sich auf belebte städtische Gebiete. Viele der neuen Filialen sind kleinere Abgabestellen mit einem eingeschränkten Serviceangebot im Vergleich zu traditionellen Apotheken. Parallel dazu führte das Land Verkaufsstellen für rezeptfreie Medikamente sowie Abholstellen für verschreibungspflichtige Arzneimittel ein und erweiterte so die Verfügbarkeit weiter.
Die Aufhebung des Verbots von Mehrfachbesitz führte zu einer Verringerung der Apothekeninhaber – ihre Zahl sank von 220 auf 176. Bis 2024 verwaltete ein durchschnittlicher Betreiber 3,10 Standorte, gegenüber nur 1,95 im Jahr 2015. Zudem müssen Inhaber nun bis zum 70. Lebensjahr arbeiten und dürfen ihre Apotheke nur zum Buchwert übertragen, was jede Gewinnmarge ausschließt.
Seit 2004 hat sich der Wettbewerb zusätzlich verschärft, als Einzelhandelsketten in den Markt für rezeptfreie Medikamente eintraten. Traditionelle Apotheken geraten unter Druck durch diese Konkurrenten, was viele dazu zwingt, ihr Angebot zu reduzieren. Gleichzeitig ist in Abgabestellen für verschreibungspflichtige Medikamente keine durchgehende Anwesenheit voll ausgebildeter Apotheker mehr vorgeschrieben – das senkt zwar die Kosten, verändert aber auch die Servicequalität.
Die Reformen blieben nicht ohne Folgen: Ab dem 1. Januar 2025 müssen die Apotheken 490 Millionen dänische Kronen (rund 66 Millionen Euro) zurückzahlen, die sie über Jahre hinweg als Übergewinne erzielt hatten. Studien von Dr. Claus Pöhlmann legen zudem nahe, dass das dänische Modell für das deutsche Apothekensystem ungeeignet wäre.
Die Reformen in Dänemark haben zwar den Zugang zu Medikamenten verbessert, aber auch finanzielle und betriebliche Hürden geschaffen. Mit mehr Filialen, strengeren Besitzregeln und zunehmender Konkurrenz bleibt die Branche im Wandel. Die anstehende Rückzahlung der Übergewinne stellt die Apothekeninhaber in den kommenden Jahren vor eine weitere Bewährungsprobe.






