CDU und AfD wählen gemeinsam stellvertretenden Bürgermeister – und lösen Skandal aus
Esther SchülerCDU und AfD wählen gemeinsam stellvertretenden Bürgermeister – und lösen Skandal aus
In Biebesheim am Rhein ist ein lokaler politischer Streit entbrannt, nachdem CDU- und AfD-Gemeinderäte gemeinsam einen stellvertretenden Bürgermeister gewählt haben. Der Schritt hat Ausschlussverfahren gegen die beteiligten CDU-Mitglieder ausgelöst. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie, dass solche Kooperationen zwischen etablierten Parteien und der AfD in der deutschen Kommunalpolitik keineswegs selten sind.
Der Konflikt begann, als CDU- und AfD-Vertreter in Biebesheim am Rhein eine gemeinsame Kandidatenliste für die Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister einreichten. Der gemeinsame Vorschlag ermöglichte es dem AfD-Kandidaten Bernd Kahnert, in den Gemeindevorstand gewählt zu werden. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen für eine Besetzung der Stelle durch einen stellvertretenden Bürgermeister geworben, da seine Partei acht der 31 Sitze im Gemeinderat hält.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau reagierte umgehend und leitete Ausschlussverfahren gegen die Mitglieder ein, die mit der AfD gestimmt hatten. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer bestätigte, dass weitere Schritte geprüft würden. Der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born verteidigte die lokale Entscheidung als "sofortige und konsequente" Maßnahme.
Die AfD verfügt derzeit über sechs Sitze im Gemeinderat der 6.000-Einwohner-Gemeinde. Die CDU bezeichnete die gemeinsame Abstimmung als "offensichtlich spontan und unabgestimmt" und betonte, sie sei nicht Teil einer übergeordneten Strategie. Der Schritt wurde als Gegenentwurf zu einer gemeinsamen Liste von SPD, Grünen und Freien Wählern gesehen, die zusammen 17 Sitze kontrollieren.
Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass es bei fast 19 Prozent von rund 5.000 Sachabstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 auf lokaler Ebene "direkte Zusammenarbeit" zwischen anderen Parteien und der AfD gab. Dies deutet darauf hin, dass solche – wenn auch umstrittenen – Bündnisse kein Einzelfall sind.
Die von der CDU eingeleiteten Ausschlussverfahren signalisieren eine klare Haltung gegen die Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene. Die Ergebnisse der Studie legen jedoch nahe, dass ähnliche Partnerschaften auch in anderen Gemeinden stattgefunden haben. Der Ausgang dieses Streits könnte prägend dafür sein, wie etablierte Parteien künftig mit möglichen Allianzen zur AfD umgehen.






