Bachmann-Preis 2024: Stanišić triumphiert, Roschal verlässt empört die Bühne
Esther SchülerBachmann-Preis 2024: Stanišić triumphiert, Roschal verlässt empört die Bühne
Bachmann-Preis 2024: Starke Auftritte, scharfe Kritik und ein Eklat
Der diesjährige Bachmann-Preis bot überzeugende Lesungen und pointierte Bewertungen. Die von einer rein weiblichen, siebenköpfigen Jury beurteilte Veranstaltung setzte in der Literatur Schwerpunkte auf wirtschaftliche Not und persönliche Widerstandsfähigkeit.
Den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis gewann Saša Stanišić für ihren Text „Was wir tragen“, der sich mit lebenslanger Gewalt und Bewältigungsstrategien übergewichtiger Menschen auseinandersetzt. Ein weiterer Höhepunkt war Ozan Zakariya Keskinkılıç, der für „Vater ohne Sohn“ den Deutschlandfunk-Preis erhielt.
Kinga Tóth überzeugte mit sprachlicher Schärfe und der Schilderung einer „Ostblock-Mädchen“-Erfahrung und sicherte sich damit den KELAG-Preis. Für Aufsehen sorgte indes Slata Roschal*, die nach ihrer Lesung die Bühne verließ. Zuvor hatte sie die Literaturbranche für schlecht bezahlte Stipendien und minimale Gewinnspannen kritisiert – und sich anschließend ohne Rücksprache mit der Jury zurückgezogen.
Wiederkehrende Motive in den eingereichten Texten waren der „Fleck“ als Symbol für prekäre Lebensumstände. Die Jury betonte zudem, wie viele Beiträge soziale Ungleichheit thematisierten und Reichtum oder Armut als prägende Kräfte für die Figuren zeigten.
Die Preise wurden vergeben, doch die Veranstaltung löste auch Debatten über Gerechtigkeit in der Literaturszene aus. Roschals Protest und der Fokus der Jury auf wirtschaftliche Themen hinterließen Spuren. Die prämierten Texte erreichen nun ein breiteres Publikum.
